|

Paradox: Trotz Lehrstellenmangel bricht jeder fünfte Azubi die Ausbildung ab
Jedes Jahr treten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 460 000 Jugendliche eine Lehre an, im Herbst suchten noch fast 50 000 eine Stelle. Mehr als doppelt so viele (118 000) brechen jedes Jahr eine begonnene Ausbildung wieder ab - die Quote ist mit 26,7 Prozent in Berlin am Höchsten, gefolgt vom Saarland (24,0) und Mecklenburg-Vorpommern (23,2). Die wenigsten Abbrecher werden nach einer Statistik des Deutschen Industrie und Handelstages in Baden-Württemberg (16,0) und Bayern (17,4) registriert.
Die Qualität der Ausbildung soll in den vergangenen Jahren stark gelitten haben und jeder zweite Ausbilder fühle sich überfordert. Häufig fehle es an der nötigen Zeit, sich um den Berufsnachwuchs zu kümmern. Vor allem im menschlichen, didaktischen und methodischen Bereich soll es erhebliche Defizite geben.
Während viele Betriebe die Schuld gerne einer unterdurchschnittlichen Schul-Vorbildung zuschieben, relativieren Experten das Pauschalurteil: "Schlechte Schüler können Top-Lehrlinge sein, wenn man sie richtig führt, motiviert und ihnen Fachwissen mit der nötigen Kompetenz erklärt. Schulnoten sagen selten etwas über den späteren Erfolg im Beruf aus."
Unterschätzt werde nach wie vor der Faktor soziale Kompetenz. Selbst mangelnde Vorbildung, geringe Motivation und wenig Eigenverantwortung der heutigen Lehrlingsgeneration ließen sich durchaus durch neue Ausbildungsmethoden erfolgreich kompensieren. Weiler: "Wir müssen nicht nur in den Berufsnachwuchs, sondern verstärkt in die Ausbildung der Ausbilder investieren. Denn die sind oft der Schlüssel zum Erfolg." Als erste Kammer in Deutschland bietet jetzt die IHK-Saarbrücken in Kooperation mit der SCS (Ottweiler) eine Seminarreihe zum zertifizierten Ausbildungscoach an. Die Lerninhalte der sechs dreitägigen Module enthalten unter anderem Praxis-Tipps für effektive und moderne Arbeits- und Lerntechniken, für den Umgang mit schwierigen Jugendlichen und den geschickten Einsatz der emotionalen Intelligenz am Arbeitsplatz.
Lehrlinge empfinden sich nicht nur in Klein- und Mittelbetrieben oft als fünftes Rad am Wagen. "Statt in die Zukunft und in motivierte Mitarbeiter von morgen zu investieren, wird der Azubi von vielen Vorgesetzten leider immer noch als billige Hilfskraft gesehen." Bemängelt wurde vor allem die fehlende Zeit. Azubis fühlten sich häufig als Mitarbeiter dritter Klasse, die Ausbilder sich nicht wohl in einer Rolle, die die wenigsten richtig gelernt haben. "Die meisten haben im Alltagsgeschäft keine Zeit für Erklärungen, die für den Nachwuchs fundamental wichtig sind. Und für die eigene Fortbildung schon gar nicht.
Lesen Sie auch:
Klicken Sie hier, wenn wir Sie über die neuen Themen informieren sollen.
|