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Berufstätige Mütter: Familie, Job und Haushalt managen
Kennen Sie diese Situation: Die Kinder streiten am Frühstückstisch. Aufdringlich bettelt die Katze um Futter. Entsetzt stellen Sie fest, Ihre Lieblingsbluse, die Sie jetzt anziehen möchten, ist noch nicht gebügelt. Aus der Küche ruft Ihr Mann, weil er den Kaffee nicht findet. Kann er auch nicht! Gestern hatten Sie keine Zeit zum Einkaufen.
Wenn Ihnen dieses Szenarium bekannt vorkommt, sind Sie in guter Gesellschaft: Frauen, die jeden Tag Job, Familie und Haushalt unter einem Hut bekommen müssen.
Ist es Ihr Ziel mit diesen Gedanken durchs Leben zu hetzen: "Wenn die Kinder größer sind, kann ich ...", "Wenn eines Tages mein Mann auch mal mithilft, dann ... ", "Wenn alle selbstständiger sind, möchte ich ... ", "Wenn ich mehr Zeit für mich habe ...".
Ja, aber wann beginnt das "Wenn"? JETZT, denn wenn Sie Ihre Situation nicht selber ändern, wer tut es sonst?
Ihre persönliche Bestandsaufnahme: Analysieren Sie "Welches sind meine Zeitfresser?" Sie werden feststellen, es sind oft die gleichen Dinge, die Ihnen Zeit stehlen. Mehrmals in der Woche einkaufen? Ständig die Kinder hin – und herfahren: Der Sohn muss zum Tennis und Ihre Tochter zum Töpferkurs. Immer die Wohnung aufräumen, da Ihre erschöpfte Familie dazu nicht in der Lage ist.
Warum? Warum müssen Sie diese Aufgaben übernehmen? Denken Sie auch über den Sinn der Aufgaben nach. Ist es z. B. tatsächlich notwendig, mehrmals in der Woche einzukaufen? Was macht es für einen Sinn täglich Mann und Kindern hinterherzuräumen?
Wagen Sie die Gedanken, welche Zeitfresser in Zukunft schlicht und einfach gestrichen werden. Ihren Kindern zuliebe engagieren Sie sich im Naturverein, finden aber für Ihre Anregungen kein Gehör? Okay - dann ist dort nichts zu ändern. Sparen Sie sich die Zeit! Sie haben einen Backkurs belegt, damit Sie Ihre Lieben mit tollen Kuchen und Torten überraschen können. Nur eigentlich isst keiner gerne Süßes. Vergessen Sie den Backkurs!
Was können Sie delegieren? Sie sind die praktische Alleskönnerin? Wissen auch immer ganz spontan, wo jeder wohl seine verlegten Sachen findet? Einfach praktisch! Jetzt überlegen Sie, welche Aufgaben von Ihrer Familie übernommen werden können. Dafür entwerfen Sie für jedes Familienmitglied eine Liste und tragen fünf konkrete Aufgaben ein und überlegen Sie sich dazu Argumente, die Ihre Forderungen untermauern, damit Sie für diese Arbeiten nicht mehr zuständig sind. Schließlich müssen Sie Ihr Anliegen der Familie "verkaufen".
Kann z. B. Ihre neunjährige Tochter täglich die Haustiere versorgen oder Ihr Sohn fürs Schuheputzen zuständig sein? Sie können! Von den fünf notierten Aufgaben dürfen sich Ihre Lieben zwei oder drei Aufgaben aussuchen. Positiver Nebeneffekt: Die Kinder haben diese Aufgaben selber ausgewählt und fühlen sich dafür auch verantwortlich. Klappts auf Anhieb nicht so perfekt. Macht nichts, darüber können Sie hinwegsehen. Loben, bestärken Sie Ihre Kinder und sie werden immer besser.
Lassen Sie Ihre Familie an Ihrem Berufsleben teilhaben: Ihre Kinder kennen Sie als Mutter; Ihr Mann als Partner. Die Frau, die sich auch täglich im Beruf bewährt, ist ihnen unbekannt. Nehmen Sie doch - auch wenn es nicht notwendig ist - einen Teil Ihrer Arbeit mit nach Hause. Der Haushalt bleibt liegen und während z. B. Ihre Kinder die Hausaufgaben erledigen "arbeiten" Sie Ihre Unterlagen durch. Störungen sind nur im Notfall erlaubt. Ihre Kinder lernen Ihre "störungsfreie Arbeitszeit" zu akzeptieren und bekommen ein neues Bild von ihrer Mutter. Sie finden es einfach toll, was Sie so alles können.
Managen Sie Ihren Haushalt effektiver: Geben Sie Ihrer Familie auch die Chance aus Fehlern zu lernen. Kommen z. B. Ihre Kinder partout zu spät zum Essen, müssen sie sich in Zukunft die Mahlzeiten selber aufwärmen. Meist genügt eine kurze Einweisung im Umgang mit Topf, Herd oder Mikrowelle. Neben diesen Fertigkeiten lernen Ihre Kinder, dass sie Regeln akzeptieren müssen und auf Sie Rücksicht nehmen sollen.
Haushalt besser zu organisieren. Stellen Sie einen Wochenplan auf. Zum Beispiel in Word haben Sie schnell ein übersichtliches Blanko-Formular entworfen. Wenn Sie z. B. am Wochenende alles eintragen, was in der kommenden Woche erledigt werden muss, ist das eine echte Hilfe. Durch die systematische Planung sehen Sie auf Anhieb, wie Sie Zeit sparen können. Erledigungen und Termine am gleichen Ort an einem Tag können zusammengefasst werden. Auch sehen Sie auf Anhieb, wann Sie keine Zeit mehr haben. Hängen Sie den Wochenplan am Kühlschrank auf, eine oft frequentierte Anlaufstelle in einer Familie. So haben nicht nur Sie immer den Überblick, sondern so ganz nebenbei sehen Ihre Lieben, was denn so alles zu erledigen ist. Kommen Ihre Kinder mit Extrawünschen, sollen sie auf den Plan schauen, ob denn dafür auch tatsächlich noch Zeit wäre.
Mal ganz ehrlich, können Sie "Nein-Sagen"? Gerade das fällt Frauen oft sehr schwer. Sicher, Hilfsbereitschaft ist ein erstrebenswertes Rollenbild, doch wie oft wird Ihre Hilfsbereitschaft ausgenutzt? Ihre Kollegin muss schon wieder "ganz dringend früher nach Hause" und bittet Sie zum x-ten Mal ihre Arbeit mal eben zu erledigen. Ist auch Ihre Familie gewohnt, dass Sie alle Wünsche erfüllen? Irgendwie schaffen Sie immer auch die Extrawünsche Ihrer Kinder zu erfüllen, fragen sich aber oft im Nachhinein, war das jetzt notwendig? Springen Sie also über Ihren Schatten, ob im Job oder zu Hause, wenn Ihre Kollegen oder Ihre Familie wieder auf diesen "Schalter" bei Ihnen drücken. Zählen Sie innerlich bis zehn und sagen Sie dann ohne große Erklärungen "nein". Wenn Sie Ihre Ablehnung begründen möchten, tun Sie das kurz und bündig, ohne sich zu rechtfertigen oder bieten Sie Alternativen an.
Schließen Sie sich mit anderen zusammen: Bilden Sie Netzwerke. Netzwerke sind eine höchst effiziente Möglichkeit, sich das Leben einfacher zu machen, durch Information, Kontakte und Unterstützung. Also, überlegen Sie sich, wo können Sie sich mit anderen Eltern zusammentun? An welchen Freizeitaktivitäten nehmen Ihre Kinder regelmäßig teil. Können dafür z. B. Fahrgemeinschaften gebildet werden? Einer bringt die Kinder hin und ein anderer holt sie wieder ab. Mit welchen Klassenkameraden verstehen sich Ihre Kinder? Ist es sinnvoll Hausaufgabengruppe ins Leben zu rufen? Am Montag sind die Kinder bei Ihnen und Sie helfen bei den Hausaufgaben. Am Dienstag sind sie bei Familie Krause und so geht es immer reihum.
Was halten Sie von einem Kindertausch? Sie möchten einen freien Nachmittag? Vielleicht finden Sie Kooperationspartner, die an einem Tag Ihre Kinder bei sich zu Hause betreuen und Sie als "Gegenleistung" deren Kinder an einem anderen Tag. Haben Sie Schulkinder, ist ein gut funktionierendes Netzwerk exzellent geeignet, um die Kinderbetreuung in den wochenlangen Schulferien zu organisieren.
Der Netzwerkgedanke muss sich nicht nur auf "Kinderaufgaben" konzentrieren. Auch Einkaufsgemeinschaften sind denkbar, wenn es darum geht, z. B. Produkte vom entfernten Gartencenter mitzubringen. Auch ein Haushalts-Netzwerk kann Ihnen Entlastung verschaffen. Haben Sie "zwei linke Hände", wenn es ums Bügeln geht, sind aber topfit im Fensterputzen? Suchen Sie sich einen "Tauschpartner". Versuchen Sie es doch über das "Frauen-Netzwerk" von Clevere Frauen.
Viel Erfolg!
Übrigens: Viele berufstätige Frauen leiden ständig unter schlechtem Gewissen, weil sie denken, dass ihre Kinder zu kurz kommen. Aber solche Sorgen sind völlig unberechtigt. Über 90 Prozent der Kinder finden es nämlich "ganz normal", wenn Mütter arbeiten gehen. Und beruhigende 88 Prozent von ihnen sagen: "Meine Mutter hat immer Zeit für mich, wenn ich sie brauche." Allerdings ist knapp die Hälfte der Befragten trotzdem der Meinung: "Meine Mutter ist immer im Stress" - und zwar egal, ob die Mutter einen Job hat oder Hausfrau ist. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Instituts für Jugendforschung im Auftrag der Zeitschrift Brigitte bei jungen Leuten zwischen 14 und 24.
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