Job oder Baby

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Katrin

Job oder Baby

Beitrag von Katrin » 31.08.2009, 10:13

Hallo,
ich bin ganz neu hier im Forum und habe mal eine Frage an euch alle. Ich bin jetzt ende dreißig und kinderlos, allerdings macht sich so langsam ein Kinderwunsch bemerkbar. Ich stehe momentan beruflich sehr gut dar und arbeite auf einer Position, die ich mit einem Kind nicht ausüben könnte. Mir macht mein Job viel Spaß und ich würde ungerne diese Stelle aufgeben. Auf der anderen Seite habe ich Angst, später zu bereuen, dass ich zu alt für Kinder bin und diesem Wunsch nie nachgegangen bin.

Hat hier jemand ähnliche Gedanken oder Probleme. Ich würde mich auch über Kommentare von Frauen freuen, die sich für oder gegen ein Baby entschieden haben und mit ihre Erfahrungen dazu mittteilen können.

Sabine-ab

Beitrag von Sabine-ab » 01.09.2009, 15:04

Hallo Kartin,

warum ein ODER? Es geht beides Kind UND Job.

Es hängt natürlich viel von deinem Partner ab, ob er da auch mitzieht?? Und ist es natürlich auch abhängig davon, wie dein Arbeitgeber dir da entgegenkommt; wie deine Arbeitszeiten geregelt werden können. Ich habe zwei Kinder und einen Job, bin also voll berufstätig. Es ist schon manchmal anstrengend aber ein ODER gab es bei mir nie.

claudia

Beitrag von claudia » 01.09.2009, 16:21

Ich möchte mich Sabine anschliessen.Mit Hilfe des Partners und guter Orginastion sind Kind UND Job unter einen Hut zu bringen.
Ich bin Mutter von 5 Kindern und arbeite Vollzeit.Bis vor zwei Monaten hatten wir unsere jüngste Tochter bei einer Tagesmutter und seit zwei Wochen geht die Kleine in den Kindergarten.
Natürlich muss man sich schon ein kleines Netzwerk aufbauen.Wir sind ohne Oma,Opa,Tanten usw. bisher gut klargekommen.Dafür haben wir Freunde und Nachbarn,bei denen wir anklopfen können,wenn es doch mal brennt. :D

Katrin

Beitrag von Katrin » 07.09.2009, 09:46

Vielen Dank für die Antworten. Auf das Arbeiten würde ich nicht verzichten. Bei meiner derzeitigen Stelle ist es nur so, dass sie mit einem Kind nicht wirklich zu vereinbaren ist. Denn ich arbeite regelmäßig 50 Stunden die Woche und mehr. Ausserdem muss ich in meinem Job sehr viel unterwegs sein. Mein Partnet ist in seinem Job ähnlich eingespannt.

Nun stehe ich vor der Entscheidung, meinem Kinderwunsch nachzukommen und dafür meinen derzeitigen Job, der mir sehr viel Spaß macht, aufzugeben und eine weniger zeitintensive Stelle anzunehmen. Oder ich bleibe in meinem Job und verzichte auf Kinder.

Lillifee

Es ging mir ähnlich...

Beitrag von Lillifee » 07.09.2009, 12:54

Hallo Katrin,

ich arbeite als Anwältin, einem Job, in dem Frauen bei Mutterschaft regelmäßig aussortiert werden, Mutterschutzgesetze hin oder her... Ich sah mich wie du vor die Wahl gestellt: Kinder oder Job. Weil ich eine lange Ausbildung gemacht hatte und viel Spaß an meinem Beruf habe, war meine Entscheidung immer für Beruf und gegen Kinder. Mir kam der Zufall zuhilfe, in Gestalt eines Umzuges in die Niederlande. Hier gibt es Krippen, in denen die Kinder ab der 12. Woche wunderbar betreut werden von 7:30 bis 18:00 Uhr und niemand hat da ein Problem mit. Das Wort "Rabenmutter" gibt es ja bekanntlich nur in Deutschland. Auch Teilzeit in allen Berufen ist hier viel besser möglich, das Feierabend- und Wochenendbewusstsein wurde hier von den Alt-68ern nicht abgeschafft.

Weil die Frauen hier 4 Monate aussetzen und dann Teilzeit zurückkommen können, ist es hier völlig normal Beruf und Kinder miteinander vereinbaren zu können. Ich habe deutlich gespürt, wie meine frühere "Ich darf keine Kinder kriegen"-Blockade sich plötzlich in einen "Auch ich darf das und kann trotzdem weiter arbeiten"-Option verwandelte. Schade, dass Deutschland da noch nicht so weit ist. Das blöde Elterngeld ist nicht wirklich hilfreich, wenn man danach arbeitslos ist.

Seit zwei Jahren habe ich nun eine kleine Tochter und bin seelig, dass ich mich nicht entscheiden musste.

Es ist nicht alles rosarot in den Niederlanden. Meine kleine Kanzlei brauchte nach den vier Monaten Mutterschutz doch einen Neustart von einem halben Jahr bis wieder Aufträge und Geld reinkamen. Nun will ich ein zweites Kind haben (bin 35 Jahre) und habe klar im Blick, dass die Kanzlei dann erst mal wieder komplett neu anfangen muss. So ist der Markt. Bis du einmal kurz weg, ist es, als wärst du nie da gewesen. Aber durch meine Tochter hab ich jetzt den Vorteil, dass ich jetzt eben schon weiß, dass es die Sache wert ist. Ich habe mich ab der ersten Sekunde so unsterblich in sie verliebt, dass ich weiß, es ist das Tollste, was das Leben dir zu bieten hat. Es lohnt meinen Karriereknick, es lohnt meine verbleibende Invalidität (die Entbindung ist ziemlich schief gegangen für mich), es lohnt den endgültigen Abschied von Ruhe, Jugend und freier Selbstbestimmtheit. Es ist die schwerste, aber zugleich schönste Zeit meines Lebens.

Ich kann dir zwar nicht wirklich raten, denn ich musste mich ja letztlich nicht wirklich entscheiden, arbeite nach wie vor in eigener Kanzlei, aber ich bin mir hunderprozentig sicher, dass ich an meinem Lebensende nicht an die Höhenflüge und Erfolge in meiner Kanzlei denken werde, sondern an meine Tochter und hoffentlich noch mehr Kinder und Enkelkinder.

Katrin

Beitrag von Katrin » 09.09.2009, 09:21

Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort Lillifee.
Ich habe mich in den letzten Tagen sehr viel mit dem Thema beschäftigt und auch viel mit Freunden und meiner Familie darüber diskutiert. Ich denke ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass ich Kinder haben möchte. Ich habe keine Lust irgendwann, wenn es zu spät ist, dass Gefühl zu haben, dass Wichtigste im Leben verpasst zu haben. Da mir ja aus biologischer Sicht nicht mehr allzu viel Zeit bleibt, und ich auch nicht erst mit 60 Jahren durch eine künstliche Befruchtung ein Baby haben will, werde ich wahrscheinlich demnächst auf die Verhütung verzichten.

Ich freue mich aber darüber so positives wie von Dir zu hören, Lillifee. Auch wenn ich nicht in den Niederlanden wohnen werde, hoffe ich, dass ich auf einer anderen Stelle auch glücklich werde.

Lillifee

Achte darauf, dass dein Partner sich mitentscheidet

Beitrag von Lillifee » 09.09.2009, 10:58

Einen Tipp habe ich noch: der Partner müsste unbedingt mitmachen, das ist ganz wichtig. Besonders wenn du Arbeit und Kind miteinander vereinbaren musst und sogar einen Job aufgibst für das Kind. Da wird von Frauen häufig ohne Anerkennung erwartet, dass sie sich aufopfern und der Partner macht weiter als wär nichts. Das führt zu Beziehungskrisen und bei der Frau zum Burn-out.

Ich habe meinen Partner klar vorher miteinbezogen und nachher habe ich dran festgehalten und ihm die Kinderbetreuung nicht abgenommen. Ich arbeite vier Tage die Woche, er auch. Das hat unsagbare Vorteile. Ich kann ihm unsere Tochter blind anvertrauen, er kann sie genauso gut betreuen wie ich. Er hat auch das Babyerlebnis, dass viele Männer als Feierabendpapas verpassen. Es ist nicht dasselbe, abends und am WE "Quality time" für das Kind freizumachen, als 24 Stunden allein für das Kind verantwortlich zu sein, ohne Mama im Hintergrund. Das bringt unheimlich viel Nähe und Glück. Mein Partner hat sich am Anfang schwer getan, sich für die Teilzeit zu entscheiden, aber er merkte sehr schnell, dass er viel verpasst hätte, wenn er es nicht getan hätte. Besonders die ersten 4 Jahre.

Ich habe um mich herum viele Paare, die beide auf gleichem Nieveau arbeiten und jetzt Kinder kriegen. In Deutschland steckt stets nur die Frau zurück, setzt drei Jahre aus, etc. Der Mann fühlt sich da nicht in der Pflicht. In den Niederlanden fragen die werdenden Väter die Schonväter im Freundeskreis, entdecken, dass die auch alle Teilzeit machen und entscheiden sich letztlich für Teilzeit. Das sehe ich den Paaren stark an. In Deutschland sieht die Frau die ersten Jahre aus wie ein Gespenst und wirkt sehr unzufrieden. Vorher Anwältin, jetzt Mutter, das ist intellektuell wie Wasser und Brot nach Champagner und Kaviar. Den Männern geht es selbst zwar gut dabei, aber die Beziehung rappelt natürlich an allen Ecken und Enden, weil es der Frau so schlecht geht. In den Niederlanden wirken beide gleichmäßig gestresst, aber ich sehe mehr Gemeinsamkeit und Zufriedenheit. Man schultert das Kunststück Beruf und Kind eben zu zweit. So ist das nicht nur machbar, sondern man kann es auch genießen und teilen.

Kvinde

Beitrag von Kvinde » 10.09.2009, 11:29

Hallo,
Ich kann mich Lillifee anschließen, es ist hart, aber möglich. Allerdings lebe ich auch nicht in Deutschland, sondern in Dänemark, wo Job UND Kind nicht nur möglich, sondern normal ist.

Ich habe bei meinem Sohn nach 3 Monaten wieder halb gearbeitet. Auch mein Mann hat halb gearbeitet, so daß immer einer von uns mit dem Kleinen zuhause war, bis er nach 11 Monaten in die Krippe kam.

Bei meiner Tochter war ich 9 Monate zuhause, dann ging sie auch in die Krippe. Ich bin dann erst mal nur teilzeit (30 Stunden) arbeiten gegangen, und nach einem Jahr wieder Vollzeit.

Also nur Mut!!
Martina

Katrin

Beitrag von Katrin » 10.09.2009, 13:36

Wir haben uns jetzt entschieden es einfach zu machen!!!
Nun müssen wir natürlich erst einmal schauen, wie lange es dauert bis es klappt mit einer Schwangerschaft. Zum Glück habe ich die letzten Jahre nicht mit Hormonen verhütet sondern mit Persona. Daher muss ich nicht warten, dass sich mein Zyklus wieder einspielt usw. Da ich aber nicht mehr die Jüngste bin, muss ich nun aber mal schauen, wie häufig ich überhaupt einen Eisprung habe. Eine gute Freundin, die sich sehr über meine Entscheidung freut, hat mir zur Erkennung des Eisprungs einen OVULATIONSTEST empfohlen. Ich habe mir das jetzt mal im Internet angeschaut, und bin der Meinung, dass ich da doch genauso gut mein Persona Gerät nehmen kann, oder?

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