Sprachenfenster nur bis zum 10. Lebensjahr offen

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Jaime

Sprachenfenster nur bis zum 10. Lebensjahr offen

Beitrag von Jaime » 04.02.2007, 22:31

gestern auf sw bw Menschen der Woche kam Michaela Mertens ( übrigens finde ich diese Frau ganz toll !)
sie erzählte, dass Kleinkinder und Kinder NUR bis 10 Jahren so lernen, als ob die Fremdsprache die Muttersprache wäre. danach muss das Gehirn die fremde Sprache erst mal Übersetzen.

In Holland und in den skandinavischen Ländern wird sehr früh im Kindergarten mit fremden Sprachen begonnen, Lieder, Gedichte, Reimspiele ectr. Die Filme werden fast ausschliesslich in O Ton mit Untertiteln ausgestrahlt...

wir halten unseren Kindern somit viele Chancen vor, schade drum..
ja , ich bewundere im Ausland immer die Fertigkeiten der Holländer und der Skandinavier

Unsere Kinder müßten mehr und besser lernen, in Frankreich nennt man den Kindergarten Mutterschule, nicht wahr ?

lg jaime

bienchen

Beitrag von bienchen » 04.02.2007, 22:48

Bei uns in NRW ist vor ich glaube zwei Jahren Englisch in der dritten Klasse der Grundschule eingeführt worden.
Ich würde es begrüßen, wenn schon im Kindergarten spielerisch eine Fremdsprache vermittelt werden würde.
So leicht wie im Kindesalter lernt man nie wieder eine Fremdsprache.
Für alle Fähigkeiten die man erlernen kann gibt es bestimmte Zeitfenster, wenn sie denn einmal geschlossen, fällt es einem um einiges schwerer diese zu erlernen.

fabel

Beitrag von fabel » 05.02.2007, 09:40

Dafür bräuchte man aber qualifiziertes Personal in den Kindergärten, am besten jemand, der die Sprache als Muttersprache spricht und dann sollte es gleich in der ersten Klasse mit dieser Sprache weiter gehen.

Wir haben hier einen Kindergarten, in dem die Kinder ein mal pro Woche italienisch lernen, Wenn sie dann eingeschult werden ist erst mal Schluß mit der Sprache. Ehrlich gesagt frage ich mich, ob das dann was bringt.

Ich sehe das auch bei meinem Neffen, der bis zum sechsten Lebensjahr in einem asiatischen Land lebte. Er ging damals dort in den Kindergarten und konnte die Sprache sprechen. Nach dem Umzug nach Deutschland hat er alles ganz schnell vergessen. Da fehlte einfach die praktische Anwendung.

Bei uns hier geht es in der dritten Klasse mit Englisch los. Ich denke auch, dass das schon fast zu spät ist.

bienchen

Beitrag von bienchen » 05.02.2007, 11:20

Dafür bräuchte man aber qualifiziertes Personal in den Kindergärten
Ja, fabel, das ist leider das Problem. Qualifiziertes Personal kostet eben dem entsprechend.

matou

Beitrag von matou » 05.02.2007, 16:13

Wir haben hier einen Kindergarten, in dem die Kinder ein mal pro Woche italienisch lernen, Wenn sie dann eingeschult werden ist erst mal Schluß mit der Sprache. Ehrlich gesagt frage ich mich, ob das dann was bringt.
Fabel, ganz bestimmt bringt das was! Auch wenn die Kinder nicht mit Italienisch weitermachen, haben sie Laute kennengelernt, die es in ihrer Muttersprache Deutsch nicht gibt. Sie haben ein Sprachsystem kennengelernt, dass anders funktioniert als das ihnen schon bekannte und mussten es zwangsläufig mit dem vergleichen, was sie schon als Muttersprache erworben hatten.

Aus der Psycholinguistik (also der Wissenschaft, die sich mit den Zusammenhängen zwischen Psyche und Sprache beschäftigt) weiß man, dass die frühe parallele Wahrnehmung verschiedener Sprachsysteme dazu führt, dass die Kinder ein erhöhtes Bewusstsein für Sprache(n) und ihre Zusammenhänge entwickeln. Und das erleichtert ihnen in der Regel den Erwerb jeder weiteren Sprache!

(Ich könnte, selber zweisprachig aufgewachsen und vollständig begeistert von dem Thema, noch Stunden darüber sprechen, aber ich erspar euch das...)

Liebe Grüße,

Matou

bessere hälfte

Beitrag von bessere hälfte » 05.02.2007, 19:10

Hier bei uns in verschiedenen Kindergärten wird Englischunterricht angeboten
Mein Bruder (Leiter einer Kita) hat dies auch in seiner Einrichtung eingeführt. Er versucht den Kindern spielerisch und auch musikalisch die Fremdsprache beizubringen.Hierzu ist keine besondere Fachausbildung nötig, da ja fast alle Erwachsenen mit der englischen Sprache vertraut sind.
Ab 2008 soll in den Grundschulen schon der Englischunterricht mit dem zweiten Schuljahr anfangen. Unsere Tochter (1 Klasse ) lernt auch schon jetzt einige Wörter allerdings nur weil die Lehrerin dies aus Eigeninitiative macht.

Ich persönlich wäre auch dafür die Fremdsprache bei Kindern schon viel früher einzuführen, da einfach die Aufnahmefähigkeit und die Wissbegierde größer ist

Bild

havanaclub

Beitrag von havanaclub » 16.02.2007, 18:58

Ich kann das Posting von matou nur voll unterschreiben.
Als ich 6 war, zog meine gleichaltrige Cousine aus Amerika zu uns nach Deutschland. Sie sprach kein Wort Deutsch und ich nix Englisch. Die Familie zog ins Nachbarhaus und so wars nur klar, daß wir unsere Freizeit miteinander verbrachten. Jedenfalls ist die englische Sprache samt ihrer Redewendungen heute ein Klacks für mich. Ganz klar fehlt die tägliche Übung, aber schon nach zwei Wochen Aufenthalt auf dem anderen Kontinent fang ich sogar an, in Englisch zu denken. Mir fällt das echt erst so richtig auf, wenn ich wieder in D bin. Manchmal gibt es Wörter, wo ich echt nicht weiß, wie ich das im Deutschen ausdrücken soll und erst mal überlegen muß.
Noch bevor ich in die Schule kam, war ich mit meinen Eltern für zwei(!) Wochen in Spanien. Dort gabs am Strand nur wenige deutsche Kinder, aber dafür viele einheimische. Fakt ist, daß ich heute Spanisch wesentlich leichter lerne/beherrsche als Italienisch. Mein Lehrer in der Schule hat mir erklärt, daß ich mir damals schon etwas Grammatik und Satzbau einverleibt hab, ohne daß es mir bewußt war (was sich durch die These der Psycholinguistik erklären läßt) und das nun aus den Tiefen meines Hirns hervorhole. Dafür haben anscheinend zwei Wochen intensiver Kontakt mit der Sprache schon ausgereicht.

Mit meinem Zwerg mach ich es genauso. Rede manchmal englisch mit ihm, er sieht sich Filme im Original an. Ausdrücken kann er sich in der Fremdsprache nur ganz rudimentär, aber er versteht, was ich sage bzw. ausdrücken will.

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