Bulimie, Magersucht, Essstörungen!

Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Untergewicht, Unordnung, Kaufsucht, Spielsucht...usw. Gemeinsam den Lastern an den Kragen gehen. Grenzen erkennen, verstehen und handeln. Ratschläge, Erfahrungen, Informationen ...
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Wölkchen

Bulimie, Magersucht, Essstörungen!

Beitrag von Wölkchen » 30.10.2004, 11:36

Dieser Thread sollte als Anregung für Betroffene dienen.


HIER:
Wenn der Gang zur Waage zur Qual wird und die Gedanken ständig ums Essen kreisen ist es passiert � die Essfalle hat zugeschnappt.

Viele Mädchen, aber auch immer mehr Jungen, wollen dem Schönheitsideal der Models und Stars entsprechen und beginnen eine Diät. Doch was ist noch normal und wann wird es gefährlich?
Laut dem Deutschen Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) in Aachen leiden über 100.000 Menschen in Deutschland an Magersucht, 600.000 an Bulimie.

Außerdem gibt es viele, die an Fresssucht, Adipositas (krankhaftes Übergewicht) oder Binge Eating Syndrom (Fressanfälle ohne die Einnahme von Abführmitteln oder sich den Finger in den Hals zu stecken) leiden.

In rund 16,8 Prozent der Fälle verläuft eine Essstörung tödlich.




und HIER:
Sorgen um das Essen
Anders als in früheren Zeiten machen sich die meisten Menschen in unserer Kultur heute keine Sorgen mehr darüber, ob genug Nahrung vorhanden ist. Im Gegenteil: Viele haben Angst, zuviel zu essen. Sie beobachten, kontrollieren und zügeln ihr Essverhalten, um abzunehmen oder wenigstens nicht zuzunehmen.

Verantwortlich dafür ist nicht immer das Streben nach Gesundheit, sondern sehr häufig ein übertriebenes Schlankheitsideal. Vorbilder aus Mode und Medien lassen glauben, nur schlanke, magere Menschen sind schön und werden anerkannt.
Wer diesen Vorbildern nacheifert und viel Mühe in die Kontrolle des Essverhaltens investiert, bei dem können schon geringe Abweichungen in Körpergewicht und Figur regelrechte Panik auslösen, zu dick zu sein. Doch jede Diät kann der Beginn einer Essstörung sein!


Die Angst vor dem Dicksein
Das Essen verliert seine Normalität. Diäten, Fasten, Aussparen von "verbotenen" Lebensmitteln, exzessiver Sport und sogar Abführmittel werden alltäglich. Schon nach einigen Wochen kann aus restriktivem Essen eine ernsthafte Störung entstehen: Alles Denken kreist nur noch um das Thema Essen, immer mehr Speisen lösen Angst vor dem Dicksein aus und werden ganz vermieden, das eigene Selbstwertgefühl hängt mehr und mehr vom Körpergewicht und von der Figur ab.

Nicht nur das Verhalten und Erleben, auch der Körper verändert sich: Es kommt zu dramatischen Stoffwechselveränderungen, wichtige Hormone und andere Botenstoffe des Körpers werden nicht mehr im normalen Ausmaß produziert, das natürliche Hunger-Sattheits-Gefühl fällt aus. Es kann zu Heißhungerattacken und Fressanfällen kommen, die dann wieder Angst vor dem Dicksein auslösen.
Die Wahrnehmung des eigenen Körpers ist gestört, so dass viele von Essstörungen Betroffene sich auch dann noch als viel zu dick empfinden, wenn sie normalgewichtig oder sogar untergewichtig sind. Schon nach kurzer Zeit ist dieser Teufelskreis aus eigener Kraft nicht mehr aufzuhalten. Die Konsequenz sind ernsthafte Ess-Störungen: Magersucht (Anorexia nervosa) oder Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa). Solche Erkrankungen haben meistens fatale Folgen für die Betroffenen und ihre Familien.


Es gibt Auswege
Die moderne Psychotherapie gibt jedoch Anlass, optimistisch zu sein. Mit erfahrenen und qualifizierten Spezialisten können heute auch schwere und langdauernde Essstörungen mit sehr gutem Erfolg behandelt werden. Die Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster hat sich u.a. auf die Behandlung von Essstörungen spezialisiert. Für jede Essstörung bieten wir spezielle Therapiekonzepte an. Denn um eine Essstörung erfolgreich zu behandeln, ist es sehr wichtig, die speziellen Erscheinungsformen und Hintergründe dieser Erkrankungen genau zu kennen; zu verstehen, wie die Störung entstanden ist und wodurch sie aufrechterhalten wird.

Mit Intervallbehandlungen, die abwechselnd aus stationären und ambulanten Phasen bestehen, können langdauernde Klinikaufenthalte vermieden werden; die Alltagsnähe und Intensität der Therapie erlauben eine hohe Konzentration der Behandlungen und die individuelle Anpassung der therapeutischen Maßnahmen an die persönliche Problematik der Betroffenen sorgt für stabile Behandlungserfolge.
Vieleicht findet jemand von Euch noch Infomaterial, ist selber da durch gegangen oder hat durch Bekannte, Freunde Berührung mit dieser Tematik gehabt.

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 31.10.2004, 11:37

Liebe Cleveren!

Solltet ihr auch Infomaterial finden, wäre es super, wenn ihr es hier reinstellt!
Danke! Die Vielfalt bringt mehr Einblicke in das Thema!

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 03.12.2004, 14:27

Paz vom 26.11.04 von Caroline Bock
Ein Restaurant für Essgestörte

Ehemals Betroffene eröffnet ungewöhnliches Lokal in Berlin/ "Ort zum Üben"

Berlin. Der Gang ins Restaurant ist für viele Eßgestörte eine Qual. Beim Blick in die Speisekarte haben sie die Kalorien im Kopf, beim Gang zur Toilette fühlen sie sich beobachtet, nach dem Essen einfach schuldig. Katja Eichbaum (32) kennt das. Fast 15 Jahre lang hat sie abwechselnd unter Bulimie und Magersucht gelitten. Mittlerweile hat sie eine Therapie in einer Klinik hinter sich, wo ihr ein zündener Gedanke kam: Warum nicht ein Restaurant für Essgestörte aufmachen? Am kommenden Dienstag geht der Traum in Erfüllung. Dann feiert ihr Lokal "Sehnsucht" im Berliner Bezirk Tiergarten Eröffnung.
Es könnte das erste seiner Art sein, zumindest hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband noch nie von einem solchen Restaurant gehört.
Die britische Zeitung "Independent" wittert sogar eine Weltpremiere in Berlin. Eichbaums Idee ist zeitgemäß: Immer wieder flammt in der Öffentlichkeit die Diskussion über den Schlankheitswahn auf. Laut Schätzungen erkranken bundesweit fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche jährlich an gefährlichen Essstörungen.
Eichbaums Cafe ist nur auf den ersten Blick paradox. Mädchen- und gerade die leiden unter Bulimie und Magersucht- können dorthin gehen, "um nicht allein zu sein", sagt die Gastronomin. "Sie finden hier eine absolut neutrale Zone."
Kein Druck, keine Erwartungen, kein Zwang zum Reden. "Sie dürfen, sie müssen nicht essen." Wenn die Mädchen Hilfe wollen, können sie sich an Eichbaum wenden. Nächstes Jahr soll nebenan ein Selbsthilfeverein dazukommen. Im Restaurant mit den sonnig gelben Wänden, roten Sofas und braunen Holzstühlen sollen Mensch hinter dem Tresen stehen, die selbst betroffen sind- Kochen als Therapie.
Und wie ist das mit dem Essen? "Völlig normal, nicht zu wenig und nicht zu viel",sagt Eichbaum.
Fachleute reagieren mit Neugier auf das Projekt.
Sie können sich vorstellen, dass das Projekt möglicherweise zum Üben geeignet ist, als Ort, an dem man keine Angst davor haben muss, beobachtet zu werden.


Den letzten Absatz habe ich gekürzt. Die Speisekarte wollte ich nicht unbedingt abschreiben.

Wäre doch auch ne tolle Idee, zum Selbständigmachen.
Oder?
Wenn das in Berlin klappt, da können ja unsere Berliner mal schauen, dann wäre es doch auch was für andere größere Städte.
Und es könnte einen Weg ebnen, die Essgestörten aus ihrer Isulation herauszubekommen.

woodstock

Beitrag von woodstock » 03.12.2004, 14:57

Also, ich finde, das hört sich prima an.
Therapie-Ort und Übungsplatz gleichzeitig und von niemanden beobachtet. Das hilft denen, die wirklich wieder an die Öffentlichkeit gehen wollen, Ängste abzubauen und alles wieder zu normalisieren.
LG, Doro

pssst

Beitrag von pssst » 05.12.2004, 04:13

HÄÄÄÄ?
WAS SOLL DAS DENN?

ihr glaubt doch wohl nicht im ernst, wenn einer eine versteckte sucht hat, dass derjenige so mir nichts dir nichts mal eben in ein lokal geht, wo aussen dran steht nach dem motto " hier könnt ihr euch wohlfühlen" ??? und sich da sozusagen ... auskotzt?... also ich würde das immernoch zu hause allein heimlich machen

oder hab ich was falsch verstanden?

woodstock

Beitrag von woodstock » 05.12.2004, 10:14

Es geht nicht in erster Linie darum, dort zu verkaufen, sondern Betroffenen eine Möglichkeit zu geben, sich dort mit anderen zu treffen und zu versuchen, wieder "normalen Zugang" zum Essen zu finden. Jedenfalls verstehe ich das aus dem Artikel so. Die meisten Bulimisten geben doch nicht wirklich zu, dass sie dieses Problem haben. Sie würden auch nicht einfach zu einer Therapie gehen. Auf dieser Ebene, ohne Zwang, könnte ich mir das aber schon vorstellen, dass da so eine Art Basis geschaffen werden kann. Wo Hilfe beginnen kann...
So seh ich das eben.
Doro

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 05.12.2004, 10:44

@ pssst

Doro hat den Artikel richtig interpretiert.
Die Angestellten haben da die Möglichkeit, sich einzubringen, da sie selbst mal Betroffen waren.
Wer keine Hilfe möchte, dem wird sie auch nicht aufgedrückt.
Gerade dieses zuHause ausk.o.tzen treibt diese Menschen in die Isolation.
Hier sollen sie eine Möglichkeit haben, aus dieser ausbrechen zu können.
Warten wir ab, vielleicht ein Weg in die richtige Richtung.

Wo sind unsere Berliner? Sie könnten dann ja mal ab und an schauen. Vielleicht stand in ihrer Tagespresse noch ein wenig mehr dazu.

Franky

Hilfe für essgestörte

Beitrag von Franky » 14.03.2005, 13:17

Hi

ich bin Frank und habe mit großer Interesse eure Beiträge zum Thema Essstörung gelesen.
Ich habe zusammen mit Katja das Projekt "Sehnsucht" auf die Beine gebracht.
Ein Cafe mit einem interessantem und hilfebietendem Konzept.
Bei Fragen eurerseits stehe ich euch jederzeit zur Verfügung.

In guter Hoffnung auf ein schönes Leben
Franky aus Berlin

e-mail: Frank130584@aol.com

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 17.03.2005, 09:51

Ich bekam von Frank folgende Mail. Mit seiner Erlaubnis setze ich sie hier
rein.

Hi Wölckchen
danke für deine nette antwort. ich habe mich sehr darüber gefreut. Nun, das restaurant Sehnsucht exestiert nun schon seit dem Dezember 2004 .
Das eigentliche Projekt hängt unmittelbar mit dem restaurant zusammen. Einen Hauseingang weiter ensteht gerade ein verein in dem dem sich betroffene Menschen treffen um gemeinsam wieder ein "normales Essverhalten" zuerlernen. Dazu werden verschiedenste Seminare durch erfahrene Psychologen und Ernährungsberatern angeboten.
Noch muss das ganze etwas reifen.
Eine große resonanz, interesse und begeisterung erhielten wir von vielen mädchen und Jungen aus ganz Deutschland.
Meine Aufgabe in dem cafe dreht sich um die Ernährung und um das Kochen.
Außerdem vermittle ich menschen mit einer "Essstörung" zum Wege der Besserung.
Die Idee mit dem informativen Posting finde ich sehr gut. Gerne können dabei auch interessierte mitwirken.
Ein Satz stach mir ins Auge
Eine große resonanz, interesse und begeisterung erhielten wir von vielen mädchen und Jungen aus ganz Deutschland.
Junge Menschen, die so viel Interesse zeigen, bekunden, lassen für
mich den Eindruck entstehen, dass noch viel mehr getan werden muss.
Hoffentlich finden sich hier in Deutschland noch mehr Mutige, die so
ein Projekt gezielt starten. Das heißt mit fachlicher Unterstützung.

Franky

Beitrag von Franky » 18.03.2005, 11:10

Hallo

Neuigkeiten aus dem cafe SehnSucht:
Am 9. April 2005 findet bei uns ein Märchenabend statt.
Schöne Märchen mit musikalischer Untermalung u.a. mit Elmar Röhl (Gewinner des deutschen Rock und Pop-preises 2002).
Wer Spaß am zuhören und genießen hat ist herzlich eingeladen.
Voranmeldung unter 030/3995266

Bis demnächst
team Sehnsucht

Yasira

cafe sehnsucht bei fliege

Beitrag von Yasira » 19.03.2005, 08:22

den artikel habe ich eben gefunden. in den printmedien hier noch nichts.
evtl. werde ich mir das mal ansehen, obwohl ich nicht zu den "betroffenen" gehöre...
http://www.daserste.de/fliege/thema_bei ... xbz~cm.asp

liebe grüße aus berlin

und das noch:

http://www.mdr.de/brisant/gesundheit/1715273.html

orlando

Beitrag von orlando » 21.03.2005, 16:39

hatte etwas änliches im Kopf oder habs immer wieder richtung "psych. krank",bins anfang des Jahres sogar in einem ersten Anlauf angegangen,eher richtung Menshen mit sozialer Phobie und allgemein Kontaktstörungen,richtung Frauen auch vor allem...
mal schaun,werde vielleicht nen thread dazu eröffnen,finde es aber grade sehr angenehm,daß auf der eß-störungsseite sich da schon wer versucht :-)....
lieben gruß,
jana

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 21.03.2005, 18:02

Ja Jana, ein Versuch!
Es ist schwer ohne selber in dieser Mühle gehangen zu haben,
den Einblick zu geben.
Deswegen war ich so froh und auch erstaunt, dass Frank sich hier
gemeldet hat. Er sammelt ein wenig, schrieb er mir, und ich hoffe,
dass er es zwischen Küche und Helfen, hier reinsetzen kann.

Mir ist es total wichtig so viel wie möglich anszusprechen, was uns
im Leben begegnet. Sei es die eigenen Schwächen oder die
Unbillen mit denen man zu kämpfen hat.

Monique

Beitrag von Monique » 25.08.2005, 15:40

Dieser Thread ist lange schon nicht mehr aktuell,
ich schiebe ihn trotzdem mal hoch,
weil es ein Thema ist das nicht unter gehen sollte,
zumindest für mich nicht.

Mich würde interessieren, ob es User die zur Zeit hier aktiv sind unter einer Essstörung egal welcher Form leiden und wie geht ihr damit um?
Habt ihr Hilfe?
Oder wollt ihr Hilfe und traut euch nicht?

Vivian

Beitrag von Vivian » 21.09.2005, 09:45

ist zwar ein bisschen lang, lohnt sich aber!!! es ist einfach der schock :shock: :stupid:

Kann triggern
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..:: ANA'S BRIEF ::..


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Erlaube mir mich vorzustellen. Mein Name, oder wie ich von sogenannten "Ärzten" genannt werde, ist Anorexie. Mein vollständiger Name ist Anorexia Nervosa, aber du kannst mich Ana nennen. Ich hoffe, wir werden gute Freunde.

In der nächsten Zeit werde ich viel Zeit in dich investieren und ich erwarte das Gleiche von dir.

In der Vergangenheit hast du mit bekommen, wie deine Lehrer und Eltern über dich sprachen. Du bist "so reif", "intelligent", "gibst immer alles" und in dir steckt "so viel Potential". Wohin hat dich das alles gebracht, wenn ich fragen darf?? Nirgendwo hin! Du bist nicht perfekt, du strengst dich nicht genug an und draüber hinaus verschwendest du deine Zeit damit, mit diesen Freunden zu reden und über sie und das Zeichnen nachzudenken. Dieser Luxus wird dir in Zukunft nicht gestattet sein.

Deine Freunde verstehen dich nicht. Sie sind nicht ehrlich. Früher, als die Unsicherheit an deinen Gedanken genagt hat, und du sie gefragt hast: "Sehe ich... fett aus?" und sie geantwortet haben "Nein, natürlich nicht", wusstest du, dass sie lügen. Nur ich sage dir die Wahrheit. Deine Eltern... lass uns nicht so weit gehen! Du weißt, dass sie dich lieben und dass sie für dich sorgen, aber die Sache ist einfach die, dass sie deine Eltern sind und verpflichtet sind, so zu handeln. Ich werde dir jetzt ein Geheimnis verraten: Tief in ihrem Inneren sind sie von dir enttäuscht. Aus ihrer Tochter, der mit all dem Potenzial, ist ein fettes, faules Mädchen geworden, das alles, was es hat, nicht verdient hat.

Aber ich bin gerade dabei, das alles zu ändern.

Ich erwarte eine ganze Menge von dir. Du darfst nicht viel essen. Es wird langsam anfangen: Reduzierung der Fettaufnahme, Lesen der Nährwertangaben, Junk Food, Frittiertes etc. wird weggelassen. Für eine Weile wird die Übung einfach sein: Etwas Laufen, vielleicht ein paar Crunches und Sit ups. Nichts zu Schweres. Verlierst vielleicht ein paar Pfunde. Nemme ein bisschen Fett aus diesem Fettbottich deines Bauches. Aber es wird nicht lange dauern, dann werde ich dir sagen, dass das nicht genug ist.

Ich werde von dir erwarten, deine Kalorienaufnahme zu verringern und gleichzeitig mehr Übungen zu machen. Ich werde dich an deine Grenzen treiben. Du musst es ertragen, weil du dich mir nicht widersetzen kannst. Ich fange an, mich bei dir einzunisten. Ziemlich bald bin ich immer bei dir. Ich bin da, wenn du morgens aufwachst und zur Waage rennst. Die Zahlen werden beides - Freund und Feind, und mit rasenden Gedanken betest du, sie mögen niedriger sein, als gestern Morgen. Du siehst mit Schrecken in den Spiegel. Du kneifst dir in das Fett, das da ist und lächelst, wenn du dir über Knochen streifst. Ich bin da, wenn du den Tagesplan gestaltest: 400 kcal, 2 Stunden Sport. Ich bin die jenige, die ihn ausgnobelt, weil spätestens jetzt meine und deine Gedanken Eins werden.

Ich folge dir den ganzen Tag hindurch. In der Schule, wenn du dich schlecht konzentrieren kannst, gebe ich dir etws zum Nachdenken: Zähle die Kalorien für den Tag nach. Es ist zuviel. Ich fülle deinen Kopf mit Gedanken über Essen, Gewicht, Kalorien und Dinge, über die Nachzudenken sicher ist. Denn jetzt bin ich bereits in dir drin. Ich bin in deinem Kopf, deinem Herzen und deiner Seele. Die Schmerzen des Hungers, die du vorgibst zu spüren, bin ich in dir.

Ziemlich bald werde ich dir nicht nur sagen, was du mit Essen machen sollst, sondern auch, was du die GANZE Zeit über machen sollst.Lächel und nicke. Zeige dich von deiner guten Seite. Schlage auf diesen fetten Bauch, verdammt, Gott, bist du eine fette Kuh! Wenn es Zeit für's Essen ist, sage ich dir, was zu tun ist. Ich mache einen Teller mit Kopfsalat, der wie ein Festmahl passend für einen König aussieht. Reiche das Essen herum. Lass es so aussehen, als hättest du etwas gegessen. Kein Stück... wenn du isst, dann wirst du dir Kontrolle verlieren .... WILLST du das? Wieder ein fette Kuh werden, die du einmal warst? Ich zwinge dich, Models aus Modemagazinen anzustarren. Diese perfekt dünnen, verzichtenden Models mit den weißen Zähnen, Models der Perfektion, die dich von den Seiten der Hochglanzmagazine heraus anstarren. Ich lasse dich erkennen, dass du nie wie sie sein kannst. Du wirst immer fett und nie so schön wie sie sein. Wenn du in den Spiegel schaust, werde ich dir das Bild verzerren. Ich werde dir Fettleibigkeit und Scheußlichkeit zeigen. Ich werde dir einen Sumo-Ringer zeigen, wo in Wirklichkeit ein hungerndes Kind ist. Aber du musst das glauben, denn wenn du die Wahrheit kennen würdest, könntest du wieder anfangen zu essen und unsere Beziehung würde zerbrechen....

Manchmal wirst du rebellieren. Du wirst das kleine rebellierende, fieberhafte Gefühl, das in deinem Körper zurückgeblieben ist bemerken und du wirst dich runter in die dunklen Küche wagen. Die Kühlschranktür wird sich ,leise knarrend, langsam öffnen. Deine Augen werden das Essen streifen, dass ich in sichern Abstand von dir aufbewahrt habe. Du wirst deine Hände lethargisch, wie in einem Albtraum durch die Dunkelheit nach einer Packung Cracker greifen sehen. Du stopfst sie in dich hinein, mechanisch, nicht wirklich schmeckend, aber einfach genießend, dass du etwas gegen mich tust. Du greifst nach einer weiteren Packung, einer weiteren, einer weiter, einer weiteren. Dein Magen bläht sich auf und fängst an lächerlich auszusehen, aber du willst nicht jetzt schon aufhören. Und die ganze Zeit schreie ich dich an aufzuhören, du fette Kuh, du hast du hast wirklich keine Selbstkontrolle, du wirst fett werden.

Wenn es vorbei ist, wirst du dich wieder an mich ranklammern, mich nach Rat fragen, weil du wirklich nicht fett werden willst. Du hast eine der Hauptregel gebrochen und willst mich jetzt zurück. Ich zwinge dich ins Badezimmer, auf deine Knie, du starrst ohne Gefühl in die Kloschüssel Deine Finger werden in deinen Rachen gesteckt und nicht ohne eine große Menge Schmerz wird dein Essen rauskommen. Wieder und wieder wird dass wiederholt, bis du Blut und Wasser spuckst und du weißt, dass alles raus ist. Wenn du aufstehst, wird dir schwindelig sein. Werde nicht ohnmächtig! Stehe aufrecht! Du fette Kuh , du verdienst es Schmerzen zu haben. Vielleicht entscheide ich mich bald anders, um dich von dem Gefühl der Ertappung zu befreien. Vielleicht bringe ich dich dazu Abführmittel zu nehmen und du wirst bis in die frühen Morgenstunden auf dem Klo sitzen, mit einem drückendem Gefühl in dir. Oder vielleicht ich bringe dich dazu dich selbst zu verletzen, deinen Kopf vor eine Wand zu schlagen bis du schreckliche Kopfschmerzen bekommst. Ritzen ist genauso effektiv. Ich will, dass du dein Blut siehst, wie es deinen Arm runterläuft und in diesem Bruchteil der Sekunde wirst du merken, du verdienst ihn, egal welchen einen Schmerz ich dir gebe. Du bist deprimiert, besessen vom Schmerz und dem Verletzen. Du greift nach Außen aber niemand wird dich sehen oder dir zuhören. Wen interessiert’s? Du verdienst es; du hast es selbst über dich gebracht.

Ist das Rauh? Willst nicht, dass das mit dir passiert? Bin ich unfair? Ich tue Sachen die dir helfen. Ich mache es möglich für dich aufzuhören an deine Gefühle zu denken, die die Ursachen für deinen Stress sind. Gedanken der Wut, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Einsamkeit können sich verziehen, denn ich fülle deinen Kopf mit dem Kalorien Zählen. Ich vernichte deinen Kampf um mit anderen Kindern deines Alters Zeit zu verbringen. Denn jetzt bin ich deine einzige Freundin. Ich habe einen Schwäche. Aber wir dürfen keinem davon erzählen. Wenn du dich entscheidest gegen mich zu kämpfen, jemanden zu erreichen und ihm zu erzählen, was ich aus deinem Leben mache, wird alles zusammen brechen! Niemand darf es erfahren , niemand kann die Schale brechen, mit der ich dich bedeckt habe. Ich habe dieses dünne, perfekte, beneidenswerte Kind geschaffen. Du bist mein, nur mein. Ohne mich bist du nichts. Also kämpfe nicht gegen mich! Wenn andere Bemerkungen machen, ignoriere sie. Beschleunige dein Tempo, vergiss sie, vergiss alle, die versuchen mich von dir weg zubekommen. Ich bin dein größter Gewinn und ich habe vor sie von dir fern zu halten.

Mit freundlichen Grüßen,
Ana

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 21.09.2005, 11:42

Vivian
Ich habe schon sehr oft gelesen, dass diese krasse Art manchmal die
einzige ist, den Menschen zu helfen. Ob sie dich hinterher noch in ihrer
Nähe haben möchten, das muss man dann in Kauf nehmen.

Gerade vorhin hatte ich sowas in einem Gespräch erwähnt. Der Brief
ist zwar lang, aber er trifft ins Schwarze und das ist wichtig.

Helfen ja, aber der Mensch selber muss Hilfe wollen und dafür muss er
vieles erkennen. Nur die Krankheit zu sehr personifizieren ist auch eine
Gradwanderung, bei der man vorsichtig sein muss. Nicht jeder kann
damit umgehen.

Monique

Beitrag von Monique » 21.09.2005, 14:06

:nein:

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