Frage an euch: Was ist Behinderung?

Austausch über das Leben und Arbeiten mit Behinderten / mit einer Behinderung * Aufeinander zugehen und erkennen, dass wir uns gegenseitig viel zu geben haben und voneinander lernen können.
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Schnuppe

Frage an euch: Was ist Behinderung?

Beitrag von Schnuppe » 04.04.2006, 08:59

Behinderung, dieser Begriff hat mich schon immer gestört, denn jeden von uns kann etwas passieren, schnell und unerwartet, und euer Denken, euer Gehen, eure Sprache werden durch Einwirkungen von außen gestört oder so geschädigt, das es nicht mehr funktionstüchtig ist ...
Denkt an Unfälle, Krankheiten sogar Operationseingriffe können schief gegen...
Keiner von uns kann sich dann vorstellen, wie es weiter gehen soll. Frage an euch? Ganz ehrlich, wie erklärt ihr das Wort BEHINDERUNG? Sind wir nicht alle ein bissel behindert ..irgendwie ... ups, das rutschte mis so raus ... ;-) Schnuppe

Monique

Beitrag von Monique » 04.04.2006, 09:20

Hallo Schnuppe
Behinderung ist ein breitgefächertes Wort.
In meinem Beruf als Orthopädiemechanikerin kommt man mit so allerhand Behinderungen in Berührung, auch welche die man so äußerlich nicht war nimmt, sie dennoch da sind, weil sie in irgendeiner Weise behindern.
Sind Z.B Dauerschmerzen nicht auch eine Behinderung, sie hindern am normalem dasein, weil sie einen Teil deines Lebens sehr beeinflussen.
Ich empfinde es so.

meol

Beitrag von meol » 04.04.2006, 10:01

Unter Behinderung versteht man ja eine angeborene oder erworbene körperliche oder geistige Schädigung.
Das würde heißen, wir haben nicht alle eine Behinderung.
Wenn man aber davon ausgeht, dass mit Behinderung auch jede Schwäche gemeint sein kann, die jeder nunmal irgendwo hat, hast Du recht, Schnuppe.
Wer hat nicht irgendwo Dinge mit denen er nicht klar kommt und ist in manchen Situationen einfach "behindert"?

Aber solche Begriffe sind ja so gesehen eine Auslegungssache.

Wie ist das z.B. bei Kindern mit LRS, ADS, ... . Da spricht man von Störungen.
Der Kinderpsychologe hat sich mit meinem Sohn darüber unterhalten, was für ein Quatsch das doch ist. Er sei ja nicht "gestört", sondern habe lediglich Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung.
Wenn die Kinder aber gesagt bekommen, dass sie gestört sind, braucht man sich ja nicht darüber wundern, dass sie irgendwelche Komplexe bekommen.

Es kommt immer drauf an, wie man solche Begriffe umschreibt und verpackt.

Gruß,
meol

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 04.04.2006, 10:23

Ich habe mal unseren Gesetzeshüter gefragt, wie er es definiert.
Nachzulesen im SGB Neuntes Buch:
Behinderung nach SGB IX

Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion,
geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.
Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.


Es deckt sich mit meiner Ansicht, dass fast jeder Mensch eine Behinderung hat.

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 04.04.2006, 10:24


Schnuppe

Beitrag von Schnuppe » 04.04.2006, 17:41

Ja Monique, du hast Recht, denn jede Art von Beeinträchtigung von körperlichen, seelischen oder geistigen Funktionen bezeichnet man als Behinderung.

Schaut ihr euch das BSHG § 47 – Bundessozialhilfegesetz 1975); dort werdet ihr das lesen: Geistig wesentlich behindert … sind Personen, bei denen in Folge einer Schwäche ihrer geistigen Kräfte die Fähigkeit zur Eingliederung in die Gesellschaft in erheblichen Umfang beeinträchtigt ist.“ Hierunter fallen angeworbene sowie die während der Geburt oder durch frühkindliche Hirnschädigung erworbenen Intelligenzdefizite verschiedener Schweregrade.“

Für mich hat jede Behinderung eine individuelle und eine soziale Seite, weil immer persönliche Lebenserschwernisse vorliegen.
• Ein Körperbehinderter kann sich nicht selbst frei bewegen und ist auf Hilfe angewiesen.
• Ein Hörgeschädigter kann akustische Signale im Straßenverkehr nicht wahrnehmen und wird dadurch gefährdet
• Der Blinde vermag sich optisch nicht zu orientieren
• Krankheiten behindern volle Leistung zu bringen
• Seelische Erkrankungen lassen oft keinen Kontakt zu, stehen außerhalb des Ganzen
• Sprachprobleme
• Lese – und Schreibprobleme

Könnte noch viel mehr aufzählen, denn vieles erkennen wir nicht als eine Behinderung, nur wenn man es selbst erfährt werden ganz schnell alle Beeinträchtigungen wahrgenommen, weil sie einen in der Normalität behindern:
• die Eingliederung im öffentlichen Leben (Klappt oft sehr gut, oft auch wenig, wegen fehlender Toleranz und dem Einfühlungsvermögen, wegen Unwissenheit der normalen Menschen, Berührungsängste)
• in der Bildungssituation (Behindertenschulen sind wichtig, damit Lebensqualität erstellt wird, Auf – und Aus bauen der vorhandenen Möglichkeiten)
• in der Berufs – und Arbeitswelt emens sogar (wer stellt Behinderte heute noch ein)
• und vor allem im sozialen Bereich fällt man durchs Raster aller Möglichkeiten
• und nicht zu vergessen in der Familie, wo man zum Hemmschuh wird

Meine Behinderten haben alle Schädigungen im geistig, seelischen und sogar im körperlichen Bereich, und fallen dann unter SGB §19 (Sozialgesetz), und hier werden sie gleich zu Beginn unter der Art und Schwere ihrer Behinderung festgesetzt. Meist das ganze Leben, und wir als ihre Betreuer/innen müssen das jedes Jahr fürs Amtsgericht und für den Kostenträger schriftlich ausarbeiten. Hier treffen sich immer Behinderung und Kostenträger. Kein Abschweifen, nur klare Fakten werden dargelegt.

Du hast recht Meol, den Kindern sollte man nie die Begrifflichkeit "andres sein, behindert sein" überstülpen, weil sie dann erst recht gestoppt werden in ihrer Entwicklung. Lasst euch sowas nie einreden, denn Eltern können soviel fördern, wenn sie sich schlau machen, und hinter ihren Kindern stehen.

Tina, danke für den Link

Will euch nicht erschlagen, und höre mal auf zu schreiben.
Fragen sind immer erlaubt., und werde sie so weit beantworten, wie ich es kann.

spaetie

Beitrag von spaetie » 27.04.2006, 01:49

behinderung ist

das be- hindert werden
in einer leistungsgesellschaft
die die richtung
von tempo und zuerwerbenden ziel vorgibt!

die gesetze geben es zwar vor
aber die "gesunden" achten sie nicht

die "gesunden" haben sie für uns gemacht

aber für was?

wir müssen für rechte die für die "gesunden"
"normal" sind
kämpfen!

was ist behinderung?

wenn du in dieser leistungsgesellschaft
nicht mehr die erwartungen der "gesunden"
erfüllst!

dann bist du behindert
ab in die ecke!
weg mit dir!

die "gesunden" haben einen namen dafür
"randgruppe"

behinderte sind dann randgruppen!

am rande von tempo vorgaben
und leistungsorientierter gier!

du kommst halt nicht mit
und im schlimmsten fall
wirst du ausgemustert

hochoffiziell!!

so mit stempel raus aus dem berufsleben
so mit stempel raus aus dem gesellschaftlichen leben

behinderte sind dann offiziell abgestempelte randgruppen

weisst was das schlimmste ist?

du wirst von den menschen
über deine behinderung definiert!

je nach behinderung bist was
oder auch nicht

also:
entweder "darfst" du dabei sein
oder
du wirst wieder "ausgemustert"

nur dieses mal aus dem privaten rahmen!


ein lob an die
schöne heile normale unGehinderte welt!

Denise

Beitrag von Denise » 19.08.2006, 21:19

Hallo Schnuppe,

es gibt ja auch den Begriff "bedingt gesund". Das hört sich dann schon anders an.

Für mich würde Behinderung bedeuten, wenn ich alleine nicht zurecht käme.

Gruss Denise

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