Behindertengerechte Stadt?

Austausch über das Leben und Arbeiten mit Behinderten / mit einer Behinderung * Aufeinander zugehen und erkennen, dass wir uns gegenseitig viel zu geben haben und voneinander lernen können.
Antworten
petry

Behindertengerechte Stadt?

Beitrag von petry » 30.04.2006, 15:18

Hallo ihr Lieben,geht mal mit anderen Augen durch eure Stadt.Schaut mal genau wies aussieht.Ich war viel mit einem Rollstuhlfahrer bei uns in Delmenhorst unterwegs.Vieles war echt bescheiden.Nicht genügend abgesenkte Bordsteine,wo ich den Rolli kippen mußte,um rauf zu kommen.Unebene Fußwege,wo er richtig durchgeschüttelt wurde.In vielen Restaurants oder Cafes kommt man mit Rollstuhl gar nicht rein!Stufe zu hoch.Bei manchen Geschäften ist es das Gleiche,für Rollifahrer nicht erreichbar.Die Fahrstühle sind manchmal so eng gebaut,das ich mit Herberts Rollstuhl,der eine Sonderanvertigung ist,nicht reinkam.Oder nicht wieder raus,ohne Umbauten.Schlimm war auch,einmal mußten wir den Lastenaufzug nehmen.Und das im einem großem Geschäft.Behindertengerechte WCs Fehlanzeige mit ganz ganz wenigen Ausnahmen.Behörden bieten teilweise auch ein trauriges Bild.Keine vernünftige Zugangsmöglichkkeit,von den Toiletten ganz zu schweigen.
Ich habe aber auch gesehen,das die Rampen mehr werden.Wenn man jemanden um Hilfe bittet,klappt das auch meistens.Mir wurden auch oft die Türen aufgehalten,wenn ich mit Herbert und seinem Rolli unterwegs war.Das ist mir schon positiv aufgefallen.
Wie sieht es in eurer Stadt aus?

Wölkchen

Beitrag von Wölkchen » 30.04.2006, 21:47

petry,
ich bin heute mehrfach in Gedanken durch die Stadt gewandert. Mir fiel eigentlich wenig ein, wo ich selber mit einem Rollstuhl reinkommen könnte. Die öffentlichen Gebäude ja, Kaffee fiel mir nur eines ein, dann der Bahnhof und 2 Kaufhäuser. Die meisten Einkaufsgelegenheiten sind vom Eingang her zugängig, wenn sie allerdings zweigeschossig sind, hört es schon auf mangels eines Fahrstuhls.
Toiletten....................... das sollte man sich lieber verkneifen. Selbst wenn du reinkommst, dann stellt sich die Frage, wie kommst du dann vom Rolli auf das Klo, wenn es niedrig, ohne Haltegriffe und dann auch nicht die Breite für eine Hilfsperson hat. Oft sind sie im Keller, aber dorthin führt nur eine Treppe. Wenn ich es nochmal in die Stadt schaffe, dann achte ich noch ein wenig mehr darauf.

petry

Die Bahn kommt und fährt ohne Rollstuhlfahrer wieder ab

Beitrag von petry » 04.05.2006, 22:39

Nach dem deutschen Behindertengleichstellungsgesetz gibt es die Barrierefreiheit.-bedeutet:Die gleiche selbständige Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Gebäuden,Verkehrsmitteln oder auch Internett

Verletzungen dieser aufgeführten Punkte gibt es viele.
Bei uns in Delmenhorst steht eine Hubrampe extra für Rollstuhlfahrer und Mitbürger die Gehprobleme haben.
Super sollte man meinen,aber weit gefehlt!!!!
Seid dem 1.November hat die deutsche Bahn die Zahl des Service-Personals an deutschen Bahnhöfen bis zu einer bestimmten Größenordnung reduziert.
Das Gerät steht verschlossen mit einem Schild "Außer Betrieb" versehen am Bahnhof.Es gibt niemanden,der die Hubrampe bedienen kann!!

Kennt ihr auch solche Mißstände?

blues

Beitrag von blues » 05.05.2006, 06:43

hmmm....solche "Mißstände" kenne ich auch ja , nur ein Beispiel will mir im Moment nicht einfallen.....

Ich möchte eher davon erzählen, wie es hier bei uns in der Stadt aussieht mit Zugangsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen.
Ich bin in dieser Stadt geboren und auch aufgewachsen und seither hat sich hier sehr viel verändert.
Die Geschäftsumbauten im Laufe der letzten Jahre zeigen zum Teil deutlich, dass man daran gedacht hat, dass es Menschen im Rollstuhl gibt. Die Eingänge sind ebenerdig und auch breit genug, in Neubauten mit Arztpraxen gibt es vernünftige Fahrstühle und Türen. Aber es gibt immer noch reichlich Gebäude, wo so etwas nicht vorhanden ist. Der eine Teil unserer Drogeriemärkte z.B. ist für jeden, der nicht laufen kann unmöglich zu betreten. Der eine davon, der ebenerdig ist, da sind die Gänge zu schmal!
Zur Zeit würde ich sagen, unsere Stadt ist auf dem Weg .....

Unsere Grundschule hier oben ist seit letztem Jahr auch groß am Umbauen. Ganz nach dem Motto - wir werden eine Schule, die jeder besuchen kann-auch Rollstuhlfahrer. Danach wird umgebaut....finde ich sehr gut, nur was ist mit den weiterführenden Schulen ? Ich persöhnlich kenne nur die Realschule gut genug, um beurteilen zu können, was da machbar ist.Und die Fachräume sind zwar alle im Erdgeschoss, aber teilweise durch eine Stufe schon wieder schlecht erreichbar und die Türen gehen nur manuell zu öffnen - alle !

Es dauert ziemlich lange, bis die da oben sich wirklich Gedanken gemacht haben...dass finde ich sehr traurig ....

spaetie

Beitrag von spaetie » 06.05.2006, 23:58

luzern!
luzern ist ein traum für behinderte!

stockholm
mailand
sacramento

einfach tolle barrierefreie städte

deutschland? :roll:

Babsel

Beitrag von Babsel » 08.05.2006, 08:31

Ja, liebe petry,

... solche Misstände kenne ich hier auch sehr gut ... es gibt zum Beispiel keinen einzigen Bäcker (insgesamt 6!) im Ort, den man ohne Stufen zu erklimmen erreichen kann!!!
Es gibt nur ein Restaurant (von 8) mit einem ebenerdigen Eingang, Toilette ist aber 20 steile Stufen weiter oben, der Eingang in die Gaststube: zu schmal.

Das ärgerlichste aber - öffentliche Gebäude:
Der Bahnhof besteht hier aus zwei Gleisen. Will ein Rollstuhlfahrer Richtung Süden fahren, kann er gleich mal 10 Minuten früher von zu Hause weg ... Das Gleis ist nur über einen enormen Umweg treppenlos erreichbar (aber erst vor 3 Jahren neu gebaut!)
Die Rathauszimmer sind nur über Stufen erreichbar! Etc., etc., etc..
Die Eingänge zu allen Kirchen haben schöne, repräsentable Portale mit einer Menge Stufen ... (Die Rollis "dürfen" durch den Hintereingang kommen :evil: )

strangegirl

Beitrag von strangegirl » 08.05.2006, 09:26

Ein lieber Freund von uns saß im Rollstuhl, und er hat sich regelmäßig aufgeregt. Er ist sehr viel mit seinem umgebauten Minivan gefahren, aber auch das wurde ihm verbaut. In seiner Stadt wurden die Behindertenparkplätze in Innenstadtnähe ab acht Uhr abends zu Taxiständen umfunktioniert.

Daraufhin hat er einen sehr wütenden Brief an die Gemeindeverwaltung und verschiedene Zeitungen geschrieben, in dem sehr deutlich wurde, wie man sich wegen dieser Regelung als Behinderter in der Stadt nicht mehr so frei bewegen kann wie "Otto Normalmensch". Er beschrieb sehr anschaulich, wie beknackt es ist, wenn man abends nett essen gehen möchte und nicht mehr zum Dessert kommt, weil man sein Auto umsetzen muß, will man keine Strafe einheimsen. Er hat es schließlich erreicht, daß die Parkplätze freigegeben blieben. Zum Glück hat er sich immer mit sehr großer Deutlichkeit und Courage eingesetzt. Ich habe ihn sehr, sehr dafür bewundert.

Es ist erschreckend, wie viele Barrieren sich auftun. Bei uns in der Gegend fahren zum Beispiel die neuen Niederflur-Sprinter der Bahn, aber die sind den Bahnsteigen so schlecht angepaßt, daß daszwischen eine Lücke klafft, die nicht nur für Rollies ein Problem darstellt, sondern zum Beispiel auch für ältere Menschen. Ich finde das sehr schlimm. Aber so ist es nunmal in unserer Gesellschaft: Wer sich nicht äußern, nicht laut genug schreien kann, der wird in den Hintergrund gedrängt. Warum sich um Minderheiten kümmern? Rechnet sich ja nicht... Traurig!!


LG,

strangegirl

spaetie

Beitrag von spaetie » 08.05.2006, 10:38

und die netten normalen autofahrer
die meinen den gehsteig zum parksteig machen zumüssen
weil sie zu faul sind 4 schritte mehr zugehen
dann kommst als rollifahrer nicht mehr durch
den bürgersteig

die neuen strahle karossen
zwei millimeter weg von der gartenmauer
(warum fahren die eigentlich nicht direkt
ins wohnzimmer oder in den einkaufsladen?
wäre doch noch bequemer, oder?)

oder

wenn ladenbesitzer meinen
ihrer stopperständer mitten auf den gehsteig stellen zumüssen

oder

wenn in strassencafes die stühle so eng stehen
das du nirgends durch kommst

...die liste ist unendlich lang...

die welt ist von "gesunden" gemacht!
da haben wir uns doch anzupassen
nicht wahr?

rechte?
welche rechte denn?
tja...wir müssen für das normalste "kämpfen"(?)
-eher betteln-

wie nennen die gesunden das?

rand...gruppen....
jo!

ab an den rand mit den störern
die meinen was haben zuwollen!

damit man freie fahrt in der gesellschaft haben kann
damit man sich frei entfalten kann
damit man seine freiheiten geniessen kann

damit man .......morgen auch behindert sein kann?

Aramis

Beitrag von Aramis » 25.06.2006, 16:10

Diese Fragen stelle ich mir ständig. Ich habe zwar niemand in meinem Umfeld der an einem Rollstuhl angwiesen ist, aber wenn ich sehe wie viele Treppen zu Behörden, Geschäfte, Restaurants ect. hoch und wieder runter gehen, kann ich immer nur mit dem Kopf schütteln.

Auch bei den öffentlichen Verkehrsmittel ist das so es gibt ein paar Buse die runter fahren können wenn ein Rollstuhlfahrer einsteigen will oder auch Mütter mit Kinderwagen ich helfe den Müttern immer obwohl immer jede Menge Männer dumm rumstehen und gar nichts machen, da frage ich nicht einmal ich schnapp mir den Kinderwagen und schwupp sind wir alle drin.

Aber nicht nur die Rollstuhlfahrer auch die Blinden ect haben es teilweise sehr schwer. Wir haben kein Platz für eine Behinderung geschaffen aber leider sehen die Menschen nicht wie sehr das ganze überwiegt und damit meine ich nicht die äusserlichen Behinderungen die wir sehen können sondern mehr die die denken bei ihnen sei alles in Ordnung.

Gruss Aramis

Antworten

Zurück zu „Behindert sein - nein, nur anders sein“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast