Reue, Wiedergutmachung... gibt es das für Jakobs Eltern?

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Wölkchen

Reue, Wiedergutmachung... gibt es das für Jakobs Eltern?

Beitrag von Wölkchen » 10.01.2007, 09:14

Kindsmörder Magnus Gaefgen

Kein Fall in der deutschen Kriminalgeschichte hat größeres Aufsehen erregt und die öffentliche Diskussion sowie die rechtswissenschaftliche Auseinandersetzung stärker beschäftigt als seiner.

Das Urteil gegen den Mörder des Bankierssohns Jakob von Metzler wurde am 28. Juli 2003 vor dem Landgericht Frankfurt ausgesprochen. Magnus Gaefgen wurde für schuldig befunden, den elf Jahre alten Jakob von Metzler entführt und heimtückisch umgebracht zu haben.

Das Strafmaß entsprach dem, was bundesweit von der Bevölkerung für diese Art der Verbrechen schon immer gefordert wurde: "Lasst die Mörder unserer Kinder nie wieder raus!" Lebenslang, ist lang aber lang genug für die Eltern der Opfer und wie hier speziell für die Eltern von Jakob, der sein Leben nicht leben durfte?


Dezember 2004

Der Anwalt von Magnus Gäfgen hatte Beschwerde eingereicht, weil seinem Mandanten von dem Frankfurter Polizei-Vize Wolfgang Daschner Folter angedroht wurde. Wieder wurde der Fall aufgerollt und trat in den Vordergrund der Öffentlichkeit. Eine erneute Qual für all diejenigen, die Jakob nahe standen. Denn unweigerlich wird zeit seines Lebens das seine mit Jakob und seiner Familie auf unerträgliche Art verknüpft sein.

Wolfgang Daschner und der Vernehmungsbeamte Ortwin E... wurden zu Geldstrafen verurteilt und das Urteil gegen den Mörder des Bankierssohns Jakob von Metzler bleibt rechtskräftig. Deutschland musste sich zu Folterandrohungen äußern und wieder einmal musste man aufpassen, niemals aus den Augen zu verlieren, dass ein heimtückischer Mord aus Habgier heraus vollzogen, die Ausgangsbasis war und bleibt. Menschenrecht ja, Folter nein, aber kein Mitleid mit einem Mörder.

2005 bis 2007

Vorweg die NEWS

Kindermörder Gäfgen darf Stiftung für Gewaltopfer gründen
Gäfgen ist wegen Entführung und Ermordung des elfjährigen Jakob zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Heuchemer hatte erklärt, die Stiftung solle Kindern und Jugendlichen helfen, die als Opfer einer Straftat die Kosten für die Rechtsverfolgung nicht selbst aufbringen könnten. Sie sei ein Versuch, "ein kleines Gegensymbol zu dem geschehenen Unrecht aus dem Jahr 2002 zu setzen".
Wiedergutmachung? Oder Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen? Welche Opfer sollten sein Geld wollen? Fragen, die ich mir persönlich stelle.

2005 kam sein Buch auf den Markt:

Allein mit Gott: Der Weg zurück
Atlantic Millennium Press, Bendorf

Magnus Gäfgen / Michael Heuchemer (auch Verlagsinhaber)

http://www.magnus-gaefgen.de/ mit Leseprobe :rolleyes: , die man sich antuen muss, um die Rezension nachvollziehen zu können.

http://www.benecke.com/gaefgen_rezension_2006.html

Auszug aus der Rezension
........... Nur zur eigentlichen Tat (Entführung und Tötung des Metzler-Jungens) findet sich keine Silbe.

Das erinnert an O.J. Simpsons Buch "I Want To Tell You" (Little & Brown, 1995), in dem genau dieselbe Verwässerung oder besser Kanalisierung des Eigentlichen stattfindet: Die guten Charakterzüge des Täters plus alle Widernisse ins Töpfchen, die Ursache der Ermittlungen aber ins Kröpfchen.

Das wäre weniger eigentümlich, wenn Gäfgens Buch nicht große Klarheit vorschützte. Es ist deutlich von rechtlich-abstrakter Denkweise und Gliederung geprägt. Dabei häufen die Autoren (er und sein Anwalt) richtige Theorien und korrekte Struktur-Beschreibungen aber so lange aufeinander, bis man meinen könnte, die eigentliche Tat dahinter verschwinden zu sehen. Das gelingt aber, trotz ihres dauernden Verschweigens, nicht.
Lest sie unter dem Quellen Link im Ganzen, es lohnt sich.

Gott sei Dank gibt es eine Reporterin, die den Fall recherchierte und ihr Buch auf den Markt brachte. Sie war ehemals bei der FAZ als Polizei-Reporterin tätig.

Adrienne Lochte (2004):
Sie werden dich nicht finden.
Der Fall Jakob von Metzler

Droemer, München, Hardcover,
€ 18,90, ISBN 3-426-27345-4

http://www.benecke.com/jakobmetzler.html

Rezensionsauszug:
...... Ohne Blabla und Psychologisierungen gelingt es Adrienne Lochte, gründlich durchzulüften und Platz für eine sinnvolle und moderne Deutung einer Kriminal-Geschichte zu schaffen, die man ansonsten für langweilig halten könnte. Stattdessen scheint es mir nach Lektüre ihres Berichtes nun, dass Gäfgen ein missing link zwischen Serientätern mit hohen Opfer-Zahlen und den dilettierenden Antisozialen sein könnte, die sonst hin und wieder Kinder töten, weil sie keine anderen Menschen zu fassen kriegen.

Die wenigen Dokumente im Buch sind gut ausgewählt, beispielsweise der abenteuerliche Erpresser-Brief Gäfgens sowie kurze Zitate aus dem Trauer-Buch der Schule des Getöteten. Ansonsten führt der Text journalistisch sauber und ohne Dichtung durch die Erlebnis-Welten der Beteiligten. Die wenigen Fiktionalisierungen sind ausnahmsweise hilfreich -- und vor allem deutlich gekennzeichnet.
Nun sitze ich hier und frage mich, warum ich diesen Thread mache, denn ich weiß keine Frage, die ich stellen könnte, nur ein sinnloses Durcheinander befindet sich in meinen aufgewühlten Gefühlen. Deswegen lass ich euch frei, in welche Richtung ihr diesen "Fall" diskutieren wollt.
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traurige Grüße von Tina, die ein wenig durcheinander von dem Lesestoff

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